Gedenkstätte Berliner Mauer
Besucherzentrum

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Mola + Winkelmüller Architekten GmbH BDA
Auftraggeber:
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Land Berlin
Verfahren: offener internationaler Realisierungswettbewerb, 1.Preis
Projektpartner: sinai.Faust.Schroll.Schwarz. -Landschaftsarchitekten, Berlin
ON architektur - Ausstellungsgestalter, Berlin

Bauleitung: Dipl.-Ing. Judith Strempler

Leistung: [§ 15 HOAI] Lph 2-9
Fläche BGF: 820 m²
Status: realisiert
Bauzeit: März 2009 - November 2009
Bauvolumen: 2,45 Mio. € 

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Am 20. Juni 2006 wurde vom Berliner Senat das „Gesamtkonzept zur Erinnerung an die Berliner Mauer“ beschlossen, welches ein dezentrales, alle Mauerorte Berlins einbeziehendes und mehrere Vermittlungsebenen umfassendes Konzept vorsieht. Als eine der wesentlichen Kernaufgaben ist in diesem Gesamtkonzept benannt, die Bernauer Straße zum zentralen Ort des Gedenkens an die Opfer der Mauer zu erklären, flächenmäßig erheblich zu erweitern und qualitativ auszubauen. Bei dem 2007 international ausgelobten Wettbewerb zur Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer gewannen Mola Winkelmüller Architekten zusammen mit sinai. Landschaftsarchitekten und ON architektur den 1. Preis.

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Um die bisherigen Fragmente entlang der Bernauer Straße zu ordnen und zusammenzubinden war es wichtig, alle Komponenten der Gedenkstätte in einer Handschrift zu zeichnen und somit ein großes Ganzes zu schaffen. Erreicht wurde dies durch das Aufgreifen eines einheitlichen, alles verbindenden Materials, dem Corten-Stahl, welcher in dem bestehenden Mauerdenkmal in Form mächtiger Wände bereits eingeführt worden war. Flächige, horizontale Nachzeichnungen des Postenwegs, objekthafte Info-Stelen, in den Gehweg eingelassene Ereignismarken, die filigrane Nachzeichnung der Mauer mittels gereihter Stahlstangen und letztendlich die Fassade des Besucherzentrums – alles wurde aus dem wetterfesten Baustahl gefertigt, dessen Oberfläche sich im Laufe der Zeit stetig verändert. Das Besucherzentrum erhält einen signalhaften Charakter und verhält sich entsprechend den Info-Stelen und Bodenmarkierungen wie ein erkennbar „hinzugefügtes“ Objekt.

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Das Obergeschoss des Besucherzentrums liegt versetzt zum Erdgeschoss. Diese Verschiebung der Geschosse zueinander schafft klare Bezüge des Gebäudes zum ehemaligen Mauerverlauf entlang der Gartenstraße und der Bernauer Straße. Davon profitiert besonders das Obergeschoss, aus dessen Panorama-Fenster Besucher - durch die mit feinen Stangen aus Corten-Stahl nachgezeichnete Mauer hindurch - auf die Gedenkstätte blicken. Im Bereich des Haupteingangs entsteht durch die Rotation der Geschosse ein großer überdachter Vorbereich, welcher den Besucher empfängt und wartenden Gruppen Platz bietet. Hier informieren schlanke Stelen mit hinterleuchteten Texten über weitere Orte der Mauer-Gedenklandschaft. Nachts leuchten die Stelen und tauchen den leicht abfallenden Eingangsbereich des Besucherzentrums in ein atmosphärisches Glimmen.

Gleich der äußeren Fassade sind auch im Inneren alle Oberflächen pure, unbehandelte Sichtoberflächen: Der Boden ist einfacher, grauer Zementestrich, die Wände Sichtbeton, Fußleisten gibt es nicht. Deutlich setzen sich dagegen die grünblauen Einbaumöbel ab, ordnen den Raum, bieten Orientierung und signalisieren öffentliche Nutzungen. Der Besucher gelangt zunächst in das Foyer mit Buchladen und Infotresen, einen vielseitigen und offenen Raum. In der Mitte des Foyers leuchtet das Haupttreppenhaus, über ein Oberlicht fließt hier Tageslicht herein und schafft so einen hellen Anziehungspunkt. Vertikale in die Treppenhauswände eingelassene Leuchtbänder geleiten den Besucher in das Obergeschoss. Hier befinden sich interne Räume der Stiftung Berliner Mauer sowie drei Seminarräume, von denen zwei zu einem großen Veranstaltungsraum zusammengeschaltet werden können.

In einem der Räume läuft ein 5-minütiger, animierter Film über den innerdeutschen Grenzwall in Endlosschleife – nur durch einen Vorhang visuell getrennt von dessen authentischen Überresten auf der gegenüberliegenden Straßenseite.