Dokumentations- und Informationszentrum
Forum Vogelsang

IP VogelsangIP Vogelsang

Mola + Winkelmüller Architekten GmbH BDA
Auftraggeber: vogelsang ip gGmbH
Verfahren: internationaler Realisierungswettbewerb, 1.Preis
Projektpartner: sinai.Faust.Schroll.Schwarz. -Landschaftsarchitekten, Berlin

Stein Architekten, Köln (Bauleitung)
Fotos: © Klemens Ortmeyer

Leistung: [§ 15 HOAI] Lph 1-8
Fläche BGF: 16.000 m²
Status: realisiert
Bauzeit: 2012 - 2016
Bauvolumen: 30 Mio. €

Ein historisch belasteter Ort wird offensiv aber verantwortungsbewusst in die öffentliche Nutzung genommen. Baulich und strukturell wird dieser Transformationsprozess begleitet und sichtbar gemacht. In die geschichtlichen Strukturen werden markante Interventionen und Füllformen eingebracht, die zum einen auf eine neue Nutzung hinweisen und zum anderen eine neue Zeitebene in das Ensemble einschreiben.

Historie der Anlage

Die ehemalige Ordensburg Vogelsang wurde zwischen 1936 bis 1939 nach Plänen des Architekten Clemens Klotz im Auftrage der NSDAP errichtet. Die Ordensburg sollte der Ausbildung der nationalsozialistischen Führungselite dienen. Aufgrund des Kriegsbeginns 1939 wurde die Schulung ausgesetzt und die Ordensburg der Wehrmacht übergeben. Neben einer Adolf-Hitler-Schule wurde die Ordensburg im Verlaufe des Kriegs als Truppenquartier genutzt.

Die ursprüngliche Planung der Gesamtanlage durch Clemens Klotz wurde nie vervollständigt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gelände von britischen Streitkräften im Zentrum eines Truppenübungsplatzes bis 1950 genutzt und anschließend bis 2005 von belgischen Streitkräften. Unter belgischer Militärverwaltung wurden zahlreiche Kriegsschäden beseitigt und leichte, aber behutsame Veränderungen des Ensembles vorgenommen.

Seit 2006 ist das Forum Vogelsang unter ziviler Verwaltung. Im Herzen des 2004 gegründeten Nationalparks Eifel sieht die vogelsang ip gemeinnützige GmbH ihre Arbeit „als Beitrag zur Aufklärung über die Ziele und Wirkungen nationalsozialistischer Erziehung und Beeinflussung“.

Architektonisches Konzept

Neue Funktionen werden in den Bestandsbau eingeschrieben, wodurch der ehemals historisch belastete Ort in einen Ort der Aufklärung und Bildung verwandelt wird. Um diesen Funktionen Raum zu geben werden die Bestandsbauten saniert, umgebaut und um Neubauteile ergänzt. Die architektonischen Interventionen am Forum zeichnen sich durch Eigenständigkeit und Signifikanz aus - ohne dem historischen Ensemble die Wirkung zu nehmen oder die Anlage zu überformen.

Der Adlerhof ist das Kernstück der historischen Anlage. Von der ehemals geschlossenen, eineinhalbgeschossigen Hofanlage wurde der Südwestflügel im Krieg zum Teil zerstört und nicht wieder aufgebaut. In die Gebäudeteile um den Adlerhof herum werden die öffentlichen Funktionen positioniert. Als Raumfolge aus Seminarbereich und Gastronomie im Westflügel mit der Außengastronomie mit Blick nach Wollseifen, der offenen Wandelhalle und dem Nationalparkzentrum im Ostflügel ist das Kontinuum vom Panorama-Blick in die Landschaft geprägt.

Besucherzentrum

In den Adlerhof wird das neue Herzstück des Forums - das Besucherzentrum – bewusst positioniert. Das Besucherzentrum besetzt den unbebauten Bereich des Innenhofes und flankiert gleichzeitig den nicht mehr existenten Seitenflügel des Adlerhofes und bezieht sich somit auf die Historie der Anlage. Die Architektur des Besucherzentrums setzt sich als opaker, polygonaler Körper klar von den Bestandsbauten ab. Das Besucherzentrum bildet den Zugangsbaukörper zu den Ausstellungsbereichen. Der Besucher gelangt von der Ebene 0 mit dem Raum der Stille über eine großzügige Treppe vom Eingangsgeschoss über einen offenen Luftraum auf die Ebene -1, auf der sich Informationstresen, WCBereiche, Garderoben und der Shopbereich befindet.

SchauFenster Eifel

Ein Fassadendurchbruch unterhalb der Außenfreitreppe und neben dem Adlerrelief auf der Ebene -1 gewährt den Blick auf den Urftsee und geleitet den Besucher zum SchauFenster Eifel, ein Ausstellungsbereich, der zum einen regionale Belange thematisiert und zum anderen als Verteilerebene zwischen den großen Ausstellungsbereichen NS-Dokumentation und Nationalparkzentrum dient.

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Ausstellungsbereiche (NS-Dokumentation und Nationalparkzentrum)

Im Kontrast und Dialog mit dem Bestand werden Inlays in die Gebäudekörper eingefügt, die die neuen Funktionen begleiten und umkleiden. Der bestehende Raum wird von temporären Einbauten befreit, die räumliche Intervention als deutlich fremdes Element ausformuliert. Die leichten, autarken Körper stellen lesbar eine neue zeitgenössische Schicht dar und dienen in systematischer Wechselbeziehung entsprechend ihrer Funktion als Träger, Mobiliar und neutraler Hintergrund. An einigen Stellen werden die geschichtlichen Strukturen der alten Gebäudehülle durchschnitten und erlauben als markante Durchbrüche in der Fassade Blicke auf den umgebenden Nationalpark oder NS-Bauten der Umgebung. Durch diese schaufenstergleichen Öffnungen wird auch von außen der Hinweis auf neue inhaltliche und räumliche Zusammenhänge gegeben.

Konferenzsaal, Seminarbereich

Der Konferenzsaal bildet den zweiten Neubaukörper, der sich deutlich nach außen hin zeigt. Angelagert an den Westflügel des Bestandes nimmt der Baukörper in seinem Sockelbereich auf der Ebene -2 Küchennebenfunktionen auf. Auf der Ebene -1, der Hauptebene, befindet sich der teilbare große Konferenzsaal mit Zugang über das SchauFenster oder über den Südwestflügel des Adlerhofs, in dem sich weitere Seminarräume befinden. Oberhalb des Konferenzsaals liegt die Außenterrasse des Gastronomiebereiches. Von dieser nach Westen orientierten Terrasse bietet sich ein Blick in die Landschaft bis zum ehemaligen Dorf Wollseifen.

Tagungsrestaurant / Gastronomie

Die zentrale Gastronomie wird im Westflügel auf Ebene 0 untergebracht. Die nach Nordost orientierte Fassade zum Urftsee wird großflächig wieder geöffnet und verweist so auf den offenen Wandelgang, der sich in diesem Bereich zu NS-Zeiten befand. Die Küchenräume schließen sich im den Adlerhof westlich flankierenden Gebäudeteil an.

Burgschenke

Die Burgschenke wird als Exponat behandelt, was bedeutet, dass in diesen Bereichen die Originalbausubstanz das eigentliche Ausstellungsstück ist. Da in diesen Bereichen zum Teil noch Originalausstattungen aus NS-Zeit existieren, wird der Teilbereich lediglich in seiner Bausubstanz gesichert, ohne dass hier eine weitere architektonische Kommentierung eingeführt wird. Es entfällt das Einstellen von Inlays oder die großflächigen Fassadendurchbrüche wie in den anderen Ausstellungsbereichen; der Besucher betritt hier den authentischen Ort und wird unmittelbar mit der Geschichte konfrontiert.

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