Informationspavillon
Friedhof der Märzgefallenen

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Mola + Winkelmüller Architekten GmbH BDA
Berlin, Deutschland 2011
Auftraggeber: Paul Singer Verein e.V.
Verfahren: konkurrierendes Gutachterverfahren 1.Preis
Leistung: [§ 15 HOAI] Lph 2-9

Ausführung: März 2011 - Mai 2011
Fläche: 350 m²
Bauvolumen Ausstellungscontainer: 80.000. €
Projektpartner: sinai.Faust.Schroll.Schwarz, Berlin
ON architektur, Berlin

In einem mehrjährigen gesellschaftlichen Diskussionsprozess soll ein Denkmal für die Märzrevolution entwickelt werden. Als gestalterische Metapher für die Begleitausstellung dieses Prozesses wird die „Baustelle“ vorgeschlagen.

Es ist die Eigenart der Aufgabenstellung, dass nicht allein die Information über den Ort und die Geschehnisse 1848 und seither im Mittelpunkt stehen. Zentrales Ziel ist die Vermittlung einer „Denkmal-Werdung“ als Prozess und die Aufforderung sich an diesem Prozess zu beteiligen. Folgerichtig wird die Ausstellung als temporäres Ereignis konzipiert, die den endgültigen Zustand vorbereitet. Die Bildsprache der Ausstellungsarchitektur verkörpert diesen Zustand des Übergangs und meidet die Anmutung des Fertigen. Gleichwohl besetzt die Ausstellungsinstallation den Ort kraftvoll und dominant. Es erscheint dringend erforderlich diesen weithin unbekannten Ort für eine gewisse Zeit offensiv nach außen treten zu lassen. Das Denkmal selbst wird auf durchaus provozierende Art und Weise besetzt ohne es dauerhaft zu überformen.

Die Wissensvermittlung wird in 3 Themenfeldern klar gegliedert. Dem jeweiligen Vermittlungsprozess wird dabei ein eigenes Raumbild und Bewegungsmuster zugeschrieben.

Die Elemente der Installation werden grundsätzlich aus modularen Fertigteilen erstellt wie sie in üblichen Baustelleneinrichtungen verwendet werden. Zwei dominante raumwirksame Elemente treten dabei in einen Dialog auf Zeit:

Der maerz_container. - Die maerz_baustelle.

Der maerz_container.

Der maerz_container setzt sich aus 3 gekoppelten Seecontainern(2 x 40ft Container und 1 x 20ft Container) zu einer linearen Ausstellungseinheit mit beigestellter Serviceeinheit zusammen. Die Anwendung eines modularen, industriell vorgefertigten Containersystems unterstreicht den temporären Charakter des Infopavillons und ermöglicht im Bedarfsfall eine Weiternutzung an anderem Orte. Der 20ft-Container nimmt hierbei die Serviceeinheit auf, während in den beiden 40ft-Containern die Ausstellung untergebracht ist.

Nach außen wirkt der maerz_container plakativ und zeichenhaft. Er macht neugierig, indem er sich weit sichtbar in den öffentlichen Straßenraum schiebt. Die Containermodule werden von innen gedämmt und mit Schichtstoffplatten bekleidet. Der Zugang erfolgt über ein eingeschobenes Rahmenelement, bestehend aus Festverglasung und Tür. Über den Zugang gelangt man unmittelbar in den Ausstellungsraum. Seitlich daran befindet sich das Servicemodul mit Tresenbereich, Arbeitsplätzen und WC-Bereich. Zur anderen Seite erstreckt sich über die Länge der großen Module die Ausstellung, deren räumlicher Endpunkt von einer vollflächigen Multimedia-Projektion als virtuelles Fenster zur Außenwelt geprägt wird.

Der Ausstellungsraum wird über Oberlichter natürlich belüftet und belichtet, die in ihrer linearen Anordnung die Proportion des Raumes betonen, ergänzend zu der ausstellungsbezogenen künstlichen Beleuchtung. Die selbsttragende Konstruktion wird punktuell aufgeständert und gegründet. Die Eingriffe in die Wurzelbereiche werden dabei minimiert.

Die maerz_baustelle.

Auf dem Rasenfeld um den Gedenkstein wird eine Holzbauwand aus Fertigteilen auf einem annähernd kreisförmigen Grundriss gestellt. Der Zentralraum des Friedhofs wird damit bewusst verstellt und aus der schnellen Wahrnehmung genommen.

„Was ist hier?“, „Was entsteht hier“ und „Was sollte hier sein?“ sind die Fragen die die Installation beim Betreten des Friedhofs aufwirft.

Der zweischalige Bauzaun ist innen und außen mit einer grafischen Haut versehen. Die Außenseite stellt dabei die Wirkungsgeschichte der Ereignisse und die Rezeptionsgeschichte des Friedhofs entlang der Chronologie der Eingriffe und Geschehnisse dar. Der Besucher erwandert sich so gegen den Uhrzeigersinn die 8-10 Themenfelder entlang eines gedachten Zeitstrahls von 1848 bis 2010. Prägnante Daten die Wendepunkte in der Wahrnehmung des Friedhofs darstellen werden als Blickfugen in der Wand ausgebildet An der Öffnung des Kreises (vom Eingang nicht sofort zu sehen) wird deutlich dass der Kreis leicht spiralig eingedreht ist, der Besucher wird hier in das Innere des Kreises geführt. Dieser stillte, fast meditative Raum dient der Entortung und Konzentration. Die Baustelle für das künftige Denkmal ist schließlich im Kopf zu suchen. Der Innenraum ist mit weißen Wänden gefasst, sehr sparsam gibt es Informationen zu vergleichbaren Gedächtnisorten, Fragen sind zurückhaltend und klein auf die Wand aufgebracht. Ansonsten dient die weiße Wand den Be-suchern als „Gästebuch“.

Gruppen können den Raum als Forum und Ort der Diskussion nutzen. Die vorgeschlagene Installation stellt damit das Befasstsein und die Partizipation des Besuchers in den Mittelpunkt der Ausstellung.

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